Waffentruhe

Um alles Büchsenzubehör, Pulver und Kugeln aufzubewahren, an den Einsatzort zu transportieren und dort griffbereit zu haben, verwendete man sogenannte Waffentruhen. Viele dieser Kisten waren in verschiedene Fächer unterteilt, die Kugeln, Pulvervorräte, Hultzein Ladungen und weiteres Zubehör aufnahmen. Einige der Fächer hatten zusätzliche Deckel zur Abdeckung.

Diebold Schilling: Amtliche Berner Chronik Bd. 1, Zentralbibliothek Zürich Mss.h.h.I.1, Fol. 121r Eyb zum Hartensteins Kriegsbuch legt nahe, dass zu jedem Geschütz und vielleicht auch zu Büchsen eine eigene Kiste für das Zubehör vorhanden war. Diese Kisten waren zur einfachen Zuordnung mit dem Büchsenzeichen des zugehörigen Geschützes markiert.1) Meist waren die Truhen relativ schlicht und zweckmäßig gehalten, einige waren mit einem Schutzanstrich versehen und nur wenige waren dekoriert und trugen z.B. aufgemalte Wappen. Auf den zeitgenössischen Abbildungen lässt sich bei alle Waffentruhen ein Verschluss mit Schlössern oder mit Eisenbändern und Vorhängeschlössern erkennen. Einige waren sogar mit mehreren Schließmöglichkeiten ausgestattet, um den Zugriff zum Kisteninhalt zu beschränken, so konnte die Truhe nur gemeinsam von mehreren Schlüsselinhabern geöffnet werden. Im Falle eines Gefechts konnte beispielsweise ein Büchsenmeister oder anderer Vorgesetzter durch Abnahme der Vorhängeschlösser die Truhe freigeben, so dass der Schütze sie mit seinem Schlüssel öffnen konnte.

 

Rekonstruktion

Unsere Waffentruhe orientiert sich in der äußeren Form, samt Eisenbändern und Inneneinrichtung, an Abbildungen bei Eyb zum Hartenstein1), Beßnitzers Landshuter Zeuhausinventar2) und dem Weimarer Ingenieurskunst- und Wunderbuch3). Das zentrale Schloss der Truhe sowie die Dekoration der Überfallen sind einer Stollentruhe aus Lübeck4) entlehnt und der dazugehörige Schlüssel entspricht einem Fund aus der Grabung an der Schloßstraße in Hamburg-Harburg5). Die Truhe ist mit drei Schließmöglichkeiten versehen: dem zentralen Schloss, dessen Schlüssel der Schütze hat, und zusätzlichen zwei Überfallen für Vorhängeschlösser.

 

Arsenal
Interieur
Schloss
Schlüssel
Ueberfalle
Waffentruhe


Die Kiste ist von Robert Wenta, Bänder, Schloss und Schlüssel stammen von Fabian Griesler-Nohe von Slos vn sluessel.

 

  • Ingenieurkunst- und Wunderbuch. Süddeutschland um 1520. Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar, Fol 328, S. 444
    Ingenieurkunst- und Wunderbuch. Süddeutschland um 1520. Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar, Fol 328, S. 4443)

  • Zwei Waffentruhen für zwei Büchsen aus Ludwig von Eyb zum Hartenstein: Kriegsbuch, um 1500, Fol. 276r
    Zwei Waffentruhen für zwei Büchsen aus Ludwig von Eyb zum Hartenstein: Kriegsbuch, um 1500, Fol. 276r1)

  • Schlüssel, Harburger Schloßstraße
    Schlüssel aus der Harburger Schloßstraße in Hamburg-Harburg5)

  • Schloß mit Überalle aus Lübeck
    Truhenschloss mit Überfalle aus Lübeck4)

 

Einzelnachweise

  1. Eyb zum Hartenstein (1500): Fol. 276r
  2. Beßnitzer (1485)
  3. (sog. Weimarer) Ingenieurkunst- und Wunderbuch (um 1520)
  4. St. Annen Museum Lübeck, inv. Nr. 1935-293
  5. Weiss (2017), S. 34-35

Text: Andreas Franzkowiak, Chris Wenzel; Fotos: Fabian Griesler-Nohe, Andreas Franzkowiak, bzw. angegebene Quellen.